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Meinungsbildung

Zeitgeist

Die Welt in ihrer Gesamtheit zu sehen oder zu begreifen, ist für den einzelnen Menschen unmöglich. Trotzdem sind wir bemüht, unsere Eindrücke, unsere Empfindungen, unsere Sichtweise(n) in Worte, in Gedanken zu fassen. Wir bilden uns zur jeweiligen Gegebenheit eine Meinung.

Damit versuchen wir, uns einzuordnen.  Zumindest bemühen wir uns; wir versuchen, unseren Platz in der Welt zu finden. Wir versuchen, uns in Beziehung zu setzen.

 
Nochmals, wir bilden uns eine Meinung. Aber:
 
Was ist das: eine Meinung? Wie entsteht sie?   
 
Ich höre etwas, ich sehe etwas, und es „berührt“ mich. Es löst eine Empfindung aus. Dieser Reflex entsteht zwangsläufig. Ob ich diesen Reflex bewusst wahrnehme oder auch nicht, spielt für die daraus erwachsende „Meinung“ die entscheidende Rolle. Denn Eines lässt sich in keinem Fall ausschließen: Dieser Reflex verbindet sich immer mit unserer persönlichen „Matrix“, mit der Summe unserer Erfahrungen, mit unserem persönlichen Wertesystem, mit unseren Vor-Urteilen und mit unserem augenblicklichen Befinden.
 
Warum brauchen wir eine Meinung?
 
Sie gibt uns die Möglichkeit, uns abzugrenzen, uns Wertigkeit zu verschaffen, uns herauszustellen und hervorzuheben…. ego cogito, ergo sum…  Also im Grunde nichts Neues. Sie scheint schon seit Urzeiten, seit Entwicklung der menschlichen Sprache, ein prägender Bestandteil der menschlichen Persönlichkeit zu sein. Aber sie gibt uns auch die Möglichkeit, uns ein Bild von uns und unserer Welt zu basteln, in das wir uns zurückziehen können, in das wir uns einschliessen können, das aber mit der Realität nur noch wenig zu tun hat. Leider ist der Selbstbetrug auch ein elementarer Bestandteil der menschlichen Psyche.

Eines jedoch unterscheidet sich grundlegend von früheren Zeiten: Es ist unvergleichlich einfacher geworden, die eigene Meinung zu hinterfragen, zu überprüfen, ihre Berechtigung zu belegen, oder eine eingenommene Position als Irrtum zu erkennen. Das Letztere erfordert allerdings die nicht Jedem gegebene Fähigkeit und Bereitschaft, sich selbst in Frage zu stellen.
 
Und noch eines hat sich entscheidend geändert: Die Flut der Informationen, welche täglich auf uns einströmen, hat sich beispiellos vervielfacht. So sehr, dass es dem Einzelnen unmöglich ist, zu jedem Thema eine konkrete Meinung zu „entwickeln“.
 
Aber auch Transport und Aufnahme, also Mitteilung und Wahrnehmung von Informationen unterliegen dem aktuellen Zeitgeist. Informationen werden heutzutage als Produkt generiert und transportiert und vielfach leider auch als solches wahrgenommen. Und sie werden leider oft auch genauso behandelt, kurzlebig und austauschbar. Sie sollen ansprechend und möglichst leicht verdaulich sein. Dass Informationen von ihrer Natur her etwas ganz anderes sind, wird von den Wenigsten zur Kenntnis genommen.
 
Auch wird bei der Einordnung von Informationen etwas Wesentliches häufig übersehen: Informationen als Mitteilung sind manipuliertes Wissen. Manipuliert werden sie bereits bei Ihrer Formulierung; der Absender benutzt gezielt oder unbewusst die ihm zur Verfügung stehenden Kommunikationstechniken. Darunter können sowohl seine Worte und Formulierungen als auch die genutzten technischen Übertragungswege gemeint sein. Und unbewusst oder wissentlich ist bereits beim Absenden der Mitteilung eine Auswahl getroffen worden.
 
Noch stärker kommt die Manipulation beim „Empfänger“ zum Tragen: Ich höre etwas, ich sehe etwas, und ich bin nicht imstande, vollständig das zu sehen und/oder zu hören, was mir der „Sender“ mitteilen wollte. Das hat viele Gründe. Zum einen ist der Moment der Informationsaufnahme von großer Bedeutung, zum anderen spielt die bereits erwähnte persönliche Konditionierung in Verbindung mit einer teilweise eingeübten Oberflächlichkeit eine bedeutsame Rolle.
 
Beides wird gelegentlich gezielt benutzt, um Interessen durchzusetzen, um Stimmungen zu lenken, um ganze Gruppen und Bevölkerungsschichten für die eigenen Ziele zu manipulieren. Hierfür hat es in den letzten Jahrzehnten immer wieder sehr bedenkliche Vorfälle gegeben. Deshalb ist eine grundsätzliche Wachsamkeit bezüglich „offiziellen Verlautbarungen“ angebracht und empfehlenswert.
 
Für Jemanden, der sich als denkenden Menschen begreift, sollten deshalb zwei Belange von grundlegender Bedeutung sein:

  1. eine Meinung ist IMMER nur die persönliche Sichtweise von Etwas und hat mit Wissen nur bedingt zu tun; jede andere, auch gegensätzliche Meinung hat in der Wertigkeit als Meinung die gleiche Berechtigung,    
    und
  2. jede Meinung beinhaltet in der Regel Fakten. Diese Fakten sollten stets überprüfbar sein. Und sie sollten überprüft werden! Denn manche Menschen neigen dazu, sich an ihrer Meinung ein ganzes Leben lang festzuklammern, auch wenn die Grundlage oder die Fakten dieser Meinung bereits lange überholt sind.
   
Bei den vorher erwähnten bedenklichen und bedenkenswerten Vorfällen sind aus jüngster Zeit die Berichterstattungen über die Ukraine- und die Griechenland-Krise zu nennen. Beide zeichnen sich dadurch aus, dass die Nachrichten zu Hintergrund und Abfolge häufig tendenziös und unvollständig waren.
 
Besonders bezüglich der Ukraine-Krise könnte der zwischenzeitlich relativ bekannte Vortrag des Schweizer Historikers Daniele Ganser aufschlussreich sein. Ganser gilt zwar aus manchen Blickwinkeln als umstritten, beruft sich aber auf nachprüfbare Fakten. Dieser Vortrag verdeutlicht auch die Gefährlichkeit der unreflektierten Meinungsbildung.

Ein weiterer Vortrag von Dr. phil. D. Ganser bewegt sich im gleichen Themenrahmen, hat aber den Schwerpunkt: Warte nicht auf das, was Dir vom Fernsehen vorgesetzt wird, sondern finde selbst heraus, was der Wahrheit am nächsten kommt.

Meinungsbildung ist ohne Information undenkbar. Die Glaubwürdigkeit von Informationen ist überwiegend abhängig von der jeweiligen Quelle. In diesem Zusammenhang ist eine profunde Vor-Auswahl bei den jeweiligen Themen von großer Hilfe. Zuständig für diese Vorauswahl bei der Berichterstattung im Tagesgeschehen sind Journalisten, Reporter, Redakteure.

Zwei herausragende Beispiele für diese Berufsgruppe hinsichtlich einer ausgewogenen, verantwortlichen und verantwortbaren Berichterstattung unter Einbeziehung der stets wichtigen Zusammenhänge sind in meinen Augen:
Neben diesem Urgestein des beispielhaften Journalismus gibt es selbstverständlich auch bei den jüngeren Kollegen Persönlichkeiten, welche offensichlich in der gleichen Liga zu finden sind. Hier ist in den letzten Jahren besonders Eine hervorgetreten:


Ihnen und selbstverständlich vielen Ungenannten verdanken wir einige hervorstechende Dokumentationen und Beiträge zu Ereignissen und Zusammenhängen. Selbstverständlich spielt auch bei ihnen in Ausdruck und Konzeption der Beiträge die eigene Erfahrung, die eigene Prägung eine Rolle; das aber unterstreicht in diesen Fällen nur ihre Glaubwürdigkeit und ihr Engagement. Jedoch an erster Stelle stand und steht bei ihnen stets die Verantwortung gegenüber dem Zuhörer, Zuschauer. Die Verantwortung für eine umfassende, detailgerechte Berichterstattung im Zusammenhang mit den jeweiligen Hintergründen, seien es historische, soziologische, ethnische oder welche auch immer.

Nehmen wir sie uns als Orientierung und als Beispiel für unsere eigene Meinungsbildung und die Weitergabe unserer Ansichten:
Sehen wir es als die Pflicht jedes Einzelnen, das Gesehene, das Gehörte zu überprüfen. Wir haben diese Möglichkeit durch die gegebene Technik zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte. Und wenn wir sie nicht nutzen, verspielen wir unser Recht auf Selbstbestimmung.

 
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